Heilende Berührung

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Eine der elementarsten Kommunikationsformen und ein Grundbedürfnis aller Lebewesen ist die Berührung.

Menschen sind soziale und rhythmische Wesen und wohltuende und heilsame Berührung ist ein Grundbedürfnis, Berührung ist eine natürliche Kommunikationsform in vielen Varianten, die Mitgefühl, Verständnis, Wertschätzung und Trost vermitteln kann. Ein zärtliches Streichen über die Wange oder eine freundliche Umarmung oder eine professionelle Berührung setzt viele positive Botenstoffe über unser Nervensystem frei und kann dabei helfen, physische und psychische Überlastung zu verringern und Stress abzubauen.

Körperkontakt ist fundamental und hat Einfluss auf viele Lebensbereiche wie das z. B. das Sozialverhalten, Umarmungen zur Begrüßung mit einem freundlichen Lächeln (von Herzen) vermitteln ein Willkommen und Freude am Beisammensein. In der Entwicklung von Kindern ist Berührung ein wesentlicher Bestandteil für ein sicheres Bindungsverhalten. Mittlerweile ist Berührung z. B. in Form von Massagen ein anerkanntes Handwerkszeug und mit vielen Studien in den unterschiedlichsten Bereichen belegt. Wie schön. Etwas, was gut ausgebildete Körpertherapeut/innen und ganzheitlich wirkende Menschen im Gesundheitsbereich schon lange kennen. Jetzt kann man es auch beweisen, oder?

In den 1960er und 1970er Jahren entstanden neue Impulse zum Verständnis von Körper, Seele, Geist. Es war der Beginn der modernen Körpertherapie. Obwohl das Thema Berührung und die Behandlung von Erkrankungen mit Massagen und Einreibungen sich durch alle traditionellen Heilkünste und –verfahren zieht, war bzw. ist es das Ziel der modernen Körpertherapie dem Körper Raum zu geben, ein neues Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Körper, Seele, Geist (wieder) zu entwickeln.

Achtsamkeit, Meditation, Atemtechniken und neue Massagetechniken, die  sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt haben, sind mittlerweile Bestandteil der modernen Medizin und der Psychosomatik. Die positive Psychotherapie bezieht den Körper mit ein und es ist bekannt, dass regelmäßige Massagen das Immunsystem stärken und dem Stressabbau dienen.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich eine Vielzahl von ganzheitlichen therapeutischen Massageformen entwickelt, die die Wirksamkeit von Berührung in verblüffender Weise bestätigen.

Professionelle Berührung in Form von Massagen, körpertherapeutische Interventionen und auch berührende Worte helfen nachgewiesener Weise nicht nur bei Schmerzen sondern sind bei psychischen Beschwerden und als Krisenintervention unterstützend wirksam.

Und tatsächlich, je nach Form der Berührung wird  Entspannung erfahren und sogar Linderung von psychischem Druck. Bei körperlichem Schmerz und schweren Erkrankungen unterstützt eine professionelle Berührung den Prozess der Genesung. Ein wohlwollender Händedruck kann ein Versprechen besiegeln und der Beginn einer Freundschaft sein.

Wohltuende und heilende Berührung schafft Verbindung und Kontakt. In einer Massageform, die besonders die C-taktilen Fasern (erkläre ich in einem weiteren Beitrag) berührt, erfährt der/die Empfangende den eigenen Körper als wieder und besser wahrnehmbar, die Körpergrenzen werden empfunden und je nach vereinbartem Berührungsauftrag, horchen vernachlässigte Seelenanteile auf und trauen sich, sich zu zeigen und sind bereit sich wieder in das Körper-Seele-Geist-Gefüge zu integrieren. Dafür sollten wir bereit sein, Gefühle zu fühlen und somit Platz schaffen für diese Seelenanteile. Für einen solchen feinfühligen, spirituellen Kontakt braucht es

  • eine mitfühlende und achtsame Grundhaltung, sensible Hände und die Freude an der Berührung
  • grundlegende medizinische Kenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathologie der einzelnen Organsysteme
  • eine umfangreiche Ausbildung in verschiedenen Massagetechniken – ständige Fortbildung – und natürlich Übung macht die Meister/in.
  • viel Selbsterfahrung, um zu verstehen, was Berührung, Massage und Gehaltenwerden im Körper, Seele, Geist – Gefüge tun kann
  • eine gute Intuition ist sehr hilfreich, aber die braucht eben einen Pool, auf den sie zurückgreifen kann
  • die Sicherheit, eine gute Beratung zu gesunderhaltenden Themen wie z. B. Haltung, Atmung, Bewegung, Stressbewältigung und Achtsamkeit sowie Ernährung durchzuführen.
  • es ist von grundlegender Bedeutung die eigenen Grenzen zu kennen und zu wissen, dass Heilung und Gesundheit oft nur in einem multiprofessionellem Team zu erreichen ist

Menschen werden auf verschiedenen Ebenen berührt – über Worte, Gesten, Gesang, Musik und mit den Händen. Jede Berührung und jedes Gespräch sollte achtsam, behutsam und respektvoll erfolgen.

Bitte bedenke, ein Mensch, der sich Dir in einer solchen Begegnung vertrauensvoll öffnet, erlaubt Dir auch einen Blick in seine Seele. Umso wichtiger ist eine professionelle Haltung und das Wissen um einen achtsamen Umgang.

Jede Verspannung, die sich während einer Massage erlösen kann, lässt die dort eingesperrte Lebensenergie wieder frei und steht somit stärkend für den Empfangenden zur Verfügung.

Jedes Gefühl, das verdrängt, in eine Körperecke verschoben wurde und sich als Schmerz bemerkbar macht, kann durch eine gute Massage wieder gefühlt werden, was manches Mal zu Tränen rühren kann. Gefühle wollen gefühlt und gewürdigt, gesehen werden, dann können sie integriert werden. Das erfordert vom Behandler/in eine stabile Psyche, eine gute Impulskontrolle, das Wissen, das nicht er/sie persönlich gemeint ist, wenn Abwehrverhalten des Klient/in auftritt und das Aushalten von starken Gefühlen, die eigenen und natürlich auch die des empfangenden Menschen. Natürlich ist hier wichtig, zu wissen, welche Vorgeschichte des Empfangenden vorhanden ist.

Das, was sich hier so einfach anhört, ist und kann ein aufwühlender Prozess sein. In einer Massage sollte dies natürlich entstehen dürfen, aber niemals forciert werden. Das kann für den/die Klient*in ansonsten sehr beängstigend sein und das Vertrauensverhältnis zwischen Behandler*in und Klient*in zerstören. 

Massage und körpertherapeutische Anwendungen sind gerade in unserer heutigen Zeit mit den großen Herausforderungen des neuen Jahrhunderts eine elementar wichtige Form der Behandlung.

In unserem jetzigen gesellschaftlichen Modell ist Berührung ein sehr individuelles Konzept und nicht für jeden Menschen zugänglich.

Einsamkeit, Isolation und psychische Herausforderungen profitieren von sanfter und achtsamer Berührung, wird aber oft nicht für alle Menschen gleichermaßen nutzbar sein.

Und Berührung im Alltag verliert sich manchmal genau dort – nämlich in den Anforderungen, die dieser Alltag an Menschen stellt. Heilsame Berührung ist eine Berührung mit den Händen (nicht nur) und  das Kernelement jeder Massage, der ältesten Form der Heilbehandlung.

Es gibt einige sehr schöne Dokumentation zum Thema Heilende Berührung, hier wird man fündig z. B. bei Sendern wie ARTE oder 3sat. Klinische Studien zu einzelnen Themen stehen unter DRKS – Deutsches Register Klinischer Studien vom Bundinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Verfügung.

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